Astrourlaub Namibia 2013 - Astrodeepsky

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Aller guten Dinge sind drei?
Von der eigenen Erwartung – oder ein Astrourlaub in Namibia mit Hindernissen
Keine Frage: Namibia hat es mir angetan. Sowohl Land und Leute, als auch der unvergessliche Sternenhimmel! Und daher gab es für mich kein Zögern, als sich die Möglichkeit bot im Jahr 2013 zum dritten Mal die Astrofarm Kiripotib zu besuchen. Sieben Nächte vom 31.08. – 07.09.2013, welche Aussicht und welche Freude im Vorfeld. Doch es kam etwas anders als in den Jahren zuvor und in die Euphorie mischte sich eine gehörige Portion Frust und Melancholie.
Nein, dies ist kein Bericht eines enttäuschten Hobbyastronomen, der Namibia im Allgemeinen und die Astrofarm Kiripotib im Besonderen kritisiert. Weit gefehlt! Dies ist eher ein Bericht darüber, wie man sich mit Anfängerfehlern gehörig selbst ein Bein stellen kann und was passiert, wenn man schlecht vorbereitet ist und seine Erwartungen zu hoch schraubt.
Außerdem hat mir der Urlaub mein bisher schönsten und erfolgreichstes Fotoprojekt beschert: die Kleine Magellansche Wolke in H-alpha. Aber dazu später mehr. Ich erzähle die Geschichte dieses Urlaubs der Reihe nach, und ich muss ein wenig ausholen, weil die Ursache für den größten Frust sich schon Monate vor dem Astrourlaub zu suchen ist!
Wer einem Astrourlaub in Namibia plant, ist mit einer sorgfältigen Vorbereitung gut beraten. Meine Vorbereitung fing schon im März 2013 an, als ich den Plan fasste meine eigene Optik mit nach Namibia zu nehmen. Kurzbrennweitig und lichtstark sollte sie sein, bestens geeignet für die Astrophotografie – ein kleiner Astrograph also. Meine Wahl fiel auf den Veloce RH200 von Officina Stellare, der mir mit 600mm Brennweite und einem Öffnungsverhältnis von 1:3 bei einem Gewicht von 8,5 Kilogramm bestens geeignet schien, mich nach Namibia zu begleiten. Und bei dem stolzen Preis mir natürlich darüber hinaus gute Dienste leisten sollte!
Bei der Lieferung des guten Stücks Anfang April 2013 stellte sich heraus, dass ein Lager des Fokussierers gebrochen war. Nach dem Zurückschicken musste ich die Reparatur mehrmals anmahnen und nach rund 8 Wochen erfolgte die Rücklieferung. Wobei der neue Fokussierer um 180° verdreht angebaut war. Das ist nicht schlimm, solange man das Gerät nicht kollimieren muss. Wenn doch, dann gibt es Probleme, weil man nicht an alle Schrauben herankommt...
Die Zeit zum ausgiebigen Testen vor dem Urlaub wurde knapp, schon wegen der kurzen Nächte im Sommer. Ich habe den Fokussierer selbst umgebaut und dabei die fragwürdigen Unterlegscheiben, die im Originalzustand als Federn in der Druck-/Zugverstellung verbaut sind, gegen passende Federn von Gutekunst ausgetauscht. Die Tests zu Hause waren viel-versprechend, das Prinzip der Justierung klar. Ich plante daraufhin, die Justierarbeiten vor Ort abzuschliessen. Jedoch: das Gerät ließ sich per se nicht hinreichend kollimieren und orthogonalisieren. Dies musste ich leidvoll in mehreren Nächten mit jeweils einigen Stunden Arbeit unter dem schönsten Südsternhimmel feststellen.

Bei der späteren Auseinandersetzung mit dem Hersteller und dem Lieferanten wurde mir dann noch unterstellt, ich hätte ja wohl keine Ahnung. Sorry, aber als Physiker habe ich schon im Studium mit optischen Bänken gearbeitet und die Kollimation der Optik und Orthogonalisierung des Fokussierers habe ich am Veloce genauso versucht durchzuführen, wie sie in der (Monate später) herausgegebe-nen Anleitung beschrieben werden. Zu guter Letzt bekam ich dann Ende Januar 2014 (4 Monate nach meinem Namibiaaufenthalt und 10 Monate nach dem Erwerb) ein neues Gerät, welches sich übrigens völlig problemlos justieren lässt.
Oben: Das Veloce RH200, ein 150mm-Tele und meine QSI-Kamera auf der Vixen Atlux-Montierung von Kiripotip. Eine wunderbare Kombination…
Diese Geschichte hat meinen Urlaubsstimmung natürlich nachhaltig getrübt und das Fazit ist schnell beschrieben: man nehme nur ein Gerät mit, welches man kennt und schon länger verwendet oder man leiht sich ein Gerät vor Ort auf der Astrofarm.
Verwegen war schließlich meine Annahme, ich könne einen 8,5 Kilogramm schweren Astrographen ohne Probleme nach Namibia transportieren. Das wurde anstrengend und teuer. Anstrengend, weil zu den 8,5 kg noch einiges an Zubehör kam und ich dann bei der Abreise mit zwei Gepäckstücken und Rucksack von zusammen 35 kg auf dem Osnabrücker Bahnhof stand.
Und teuer, als ich mit langen Armen am Air Namibia Schalter in Frankfurt ankam und mir mitgeteilt wurde, es sei ja wohl ein Versehen, dass in meinem Ticket zwei freie Gepäckstücke angegeben seien. Das stand da drin und war zur Sicherheit mehrfach nachgefragt und bestätigt worden. Also ein Gepäckstück extra bezahlen – das Gewicht: egal. Weiterhin wechseln die Bestimmungen bei Air Namibia für Übergepäck offensichtlich von Woche zu Woche und sind in Deutschland andere als in Namibia. So musste ich auf dem Rückflug aus zwei Gepäckstücken eines machen (dafür gab es auf dem Flughafen von Windhuk die (kostenpflichtige) Schrumpffolienmaschine) und dann das Übergewicht bezahlen.
Diese Geschichte hat meine Stimmung nur wenig weiter getrübt, weil ich ja ziemlich blauäugig und selbst schuld war, aber sie hat mein Budget empfindlich strapaziert. Fazit: keine Optik mitnehmen, die schwerer als 5 Kilogramm ist. Nur noch 8 Kilogramm Handgepäck und gut ist. Das ist auch besser für den Rücken.
Kommen wir zum Wetter. Jeder der sich ein wenig mit den klimatischen Gegebenheiten in Namibia (insbesondere in der Kalahari) beschäftigt hat weiß, dass der Sterngucker hier die besten Bedingungen für die Ausübung seines Hobbys findet. Dies gilt insbesondere für die Zeit von Mai bis September, wenn in Namibia Winter ist. Nun kamen im Jahr 2013 die ersten Vorboten des Sommer schon Anfang September und haben mir mit mehr oder weniger geschlossener Bewölkung zwei von sieben möglichen Beobachtungsnächten geklaut.
Trotz dieses Wetterfrustes fand ich die Veränderung im Klima und in der Atmosphäre sehr spannend und ich habe jetzt eine Idee, wie es im Sommer in der Kalahari ist. An meinem letzten Urlaubstag war es dunstig und schwülwarm mit Tagestemperaturen von über 30° Celsius!

Mit diesem Wetterumschwung einher geht eine langsame Verschlechterung des Seeings, der Transparenz und auch ein langsames Ansteigen der Nachttemperaturen. Die unten gezeigte Wettervorhersage aus CalSky kann ich im Prinzip so bestätigen, allerdings kam das „schlechte“ Wetter schon einen Tag früher. Man bedenke auch, dass der Anstieg der Nachttemperaturen um gut 15° Celsius in einer Woche ständig neue Kalibrierdaten erfordert: „darkframes“ müssen bei der gleichen Chiptemperatur wie „lightframes“ aufgenommen werden.
Oben: Auch das kann es geben: Wolken über der Kalahari und Kiripotib (rotes Kreuz) am 05.09.2013 um 03Uhr GMT (Quelle: wetteronline)
Links: Screenshot der Wetterprognose für Kiripotib vom Samstag, den 31.08.2013 für die Zeit bis Freitag, den 06.09.2013 (Quelle: CalSky)
Mir war bewusst, dass ich in einer Zeit nach Namibia fahre, in der es keine Wettergarantie gibt. Wenn überhaupt, dann gibt es diese Garantie von Juni bis August. Aber mir und meiner Frau passte der September als Urlaubszeit gut – wir machen einmal im Jahr getrennt Urlaub, damit wir uns hinterher doppelt so viel zu erzählen haben! Ferner hatte der Astrobetreuer von Kiripotib Rolf Scheffer mich gefragt, ob ich nicht den „Astronomischen Jahresabschluss 2013“ auf Kiripotib und die Betreuung der wenigen September-Gäste übernehmen könnte. Das war mir eine Ehre und ich hab das gern gemacht! Mit Stephan und seiner Familie, die gerade eine Namibia-Rundreise hinter sich hatten, war ich der letzte Gast auf Kiripotib. Stephan und ich hatten ein paar vergnügliche Nächte unter dem südlichen Sternenzelt und auch seine Familie fand die individuelle Betreuung auf der Farm sehr gut. Es folgten noch ein paar Astrogäste auf der Durchreise, die aber schon kein Glück mehr mit den nächtlichen Beobachtungsbedingungen hatten. Und dann war ich der letzte Gast auf der Farm.
Bei mir machte sich schnell eine eigenartige Endzeitstimmung breit – ich habe das Farmleben ohne Gäste erahnt und die alles umfassende Ruhe der Kalahari in der heißen Mittagsluft gespürt. Klar, ich hatte zu tun: das „Schmuckkästchen“ aufräumen und ausfegen (das Häuschen, in dem das Astro-Equipment Kiripotibs übersommert), die Montierungen abbauen und einlagern, alles auf Funktion und Vollständigkeit überprüfen. Aber ich bin dann doch mit einer gewissen Melancholie abgereist und dem unbestimmten Gefühl, als Westeuropäer nicht dorthin zu gehören.
Ein denkwürdiger, über manche Strecken schwieriger Astrourlaub in Namibia, den ich aber im Nachhinein als Erfahrung nicht missen möchte! Und, das ist keine Frage – sobald sich die Gelegenheit ergibt, fahre ich bestimmt wieder hin!
Wer diesen Bericht bis hierher gelesen hat könnte zu dem Schluss kommen, mein ganzer Astrourlaub wäre misslungen und ich hätte keinerlei (Bildaus-)beute mit nach Hause gebracht. Nein, das stimmt so überhaupt nicht. Ich habe mich auf Kiripotib erneut sehr wohl gefühlt, danke allen vor Ort für ihre Gastfreundschaft und die Möglichkeit, dass man es sich in der recht lebensfeindlichen Kalahari gemütlich machen kann. Explizit noch einmal ein Dank an Rolf Scheffer dafür, dass er die tolle Astro-Infrastruktur auf Kiripotib aufrechterhält.
Trotz der oben beschriebenen Unbilden sind jeweils mehrere Stunden Belichtung für folgende Objekte zusammen gekommen:
- IC 4628 (Emissionsnebel im Skorpion, auch Garnelennebel genannt)
- M 17 (Omeganebel) & IC 4701 (ein heller und ein schwacher Emissionsnebel)
- Sharpless 54 (Emissionsnebel in der Nähe des Adlernebels M 16)
- NGC 253 (Sculptor-Galaxie)
- Kleine Magellansche Wolke
Hier die wesentlichen Teile meiner Astro-Ausrüstung auf Kiripotib im Jahr 2013:
– Sigma APO–Teleobjektiv 150 mm/F2.8 (stets abgeblendet auf F/4, aus Deutschland mitgebracht)
– Astrograph Officina Stellare Veloce RH200 (aus Deutschland mitgebracht)
– QSI583wsg gekühlte Farbfilter-Astrokamera (aus Deutschland mitgebracht)
– Canon EOS 60Da astrofotooptimierte Spiegelreflexkamera (aus Deutschland mitgebracht)
– Montierung Vixen Atlux mit FS2-Steuerung

Besonders viel Belichtungszeit habe ich für die Erstellung eines Mosaiks der Kleinen Magellanschen Wolke verwendet. Überrascht von der großen Anzahl der H-alpha-Regionen in dieser von vielen Hobbyastronomen als uninteressant beschriebenen Begleitgalaxie unserer Milchstrasse, habe ich dazu eine separate Auswertung vorgenommen (siehe hier).
Um die beschriebenen Abbildungsfehler der verwendeten Optik zu beseitigen und um akzeptable Sternabbildungen zu erhalten, war zu Hause eine recht rigorose und zeitaufwändige Bildbearbeitung erforderlich.
Die Kleine Magellansche Wolke in H-alpha (Optik: Veloce RH200 mit 600 mm Brennweite, Kamera: QSI583wsg, Filtersatz: Astronomik Rot-Grün-Blau- und 12nm-H-alpha-Filter, Belichtung: je R-G-B-Filter 5 x 300 Sekunden und 5 x 600 Sekunden H-alpha, Mosaik aus vier Aufnahmen, Belichtungszeit insgesamt: 8 Stunden und 20 Minuten

Und zum Abschluss noch ein Hinweis in eigener Sache – alle gescheiten Aufnahmen werden auch wie üblich auf dieser meiner Homepage veröffentlich. Wenn sie dann fertig sind! Möchte jemand die eine oder mehrere Aufnahmen mit höherer Auflösung sehen oder haben, dann bitte ich um Nachricht.

Osnabrück, im November 2014
Gerd Althof
27.10.2019
Gerd Althoff
info@astrodeepsky.de
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